Vorbereitungen auf den Besuch

Ausgangslage und Zielsetzung der Planung
Die Vorbereitungen für den Papstbesuch begannen nahezu bei Null, da ein ländlicher Ort in Thüringen unter
ganz anderen Bedingungen stand als frühere Papstbesuche. Ziel war es, ein visuelles und organisatorisches
Konzept zu entwickeln.
Man rechnete mit bis zu 120.000 Pilgern und rund 1.000 Ehrengästen, weshalb eine große Fläche benötigt
wurde. Ein rund 20 Hektar großes Pilgerfeld, bereitgestellt von Frank Schneider aus Steinbach, wurde ab
August 2011 vorbereitet und gesegnet. Etwa 100 Tage vor dem Besuch übernahm der erfahrene
Veranstaltungsorganisator Peter Kittel die Gesamtkoordination. Schon früh war klar, dass ohne 2.000 bis
3.000 ehrenamtliche Helfer die Besucherlenkung, Organisation und das Rahmenprogramm nicht umsetzbar
gewesen wären.

Koordination von Sicherheit, Verkehr und Versorgung

Zur Lenkung der Pilgerströme wurde ein sternförmiges Wegenetz mit elf Pilgerwegen eingerichtet, entlang dessen zahlreiche Versorgungsstände errichtet wurden. Große Mengen an Lebensmitteln und Getränken, darunter fast 100.000 Liter Trinkwasser, wurden bereitgestellt.
Die Sicherheitsplanung stellte für die Region eine Ausnahmesituation dar. Polizei, Feuerwehr, Bundes- und Landesbehörden sowie Hilfsorganisationen arbeiteten eng zusammen. Insgesamt waren etwa 600 Feuerwehrkräfte sowie zahlreiche Sicherheits- und Rettungsdienste im Einsatz. Auch die Bundespolizei war beteiligt und unterstützte unter anderem den Personenschutz des Papstes sowie die Organisation der Pilgeranreise per Bahn. Da der Bahnverkehr nicht ausreichte, wurde ein umfangreiches Bus- und Verkehrskonzept umgesetzt.
Über 5.700 Pilger wurden mit 114 Bussen zum Pilgerfeld gebracht. Dafür wurden auch Schulbusse eingesetzt, aufgrund dessen im gesamten Eichsfeld der Unterricht ausfiel. Eine zentrale Rolle spielte die Autobahn A38, die für den Papstbesuch gesperrt und als provisorische Parkfläche genutzt wurde.

Spirituelle und organisatorische Gestaltung
Neben der Logistik wurde großen Wert auf die spirituelle Gestaltung gelegt. Auf dem Pilgerfeld entstand eine große Altarbühne, deren Form sich an der Wallfahrtskirche orientierte. Für den Papst wurde eigens ein Papststuhl sowie ein kunstvoll gestalteter Chormantel angefertigt. Die
musikalische Gestaltung umfasste zahlreiche Chöre und Solisten, darunter auch Jugendchöre.
Für den Papstbesuch wurde sogar ein eigenes Lied komponiert. Insgesamt waren rund 1.200 Mitwirkende am Vor- und Nachprogramm beteiligt.
Dies macht deutlich, welch außergewöhnlich hoher organisatorischer und ehrenamtlicher Einsatz notwendig war, um dieses historische Ereignis im Eichsfeld zu ermöglichen.

Planung und Umsetzung der benötigten Infrastruktur

Der Besuch von Papst Benedikt XVI. stellte die beteiligten Behörden im Eichsfeld vor eine große organisatorische
Herausforderung. Nach der offiziellen Bekanntgabe im Frühjahr 2011 begann eine intensive Planungsphase. In enger Zusammenarbeit mit weiteren Behörden wurde innerhalb kürzester Zeit ein umfassendes Konzept für Verkehrs-, Versorgungs-, Not- und Rettungswege entwickelt.
Ein detaillierter Bauzeitenplan strukturierte die Planung, Ausschreibung und Umsetzung der Maßnahmen. Zentrale Ingenieurleistungen wie Vermessungen und Baugrunduntersuchungen wurden vom Büro INVER aus Erfurt übernommen. Die eigentliche Bauphase erstreckte sich von Ende Juli bis Mitte September 2011. Ein besonders wichtiger Bestandteil war der rund fünf Kilometer lange Etzelsbachweg, der als Not- und Rettungsweg diente und zugleich für Pilger freigegeben war.
Zusätzlich wurde die sogenannte Protokollstrecke eingerichtet, die das Pilgerfeld unter anderem mit der Autobahn A38 verband und ausschließlich für Ehrengäste sowie Einsatz- und Hilfskräfte vorgesehen war. Für deren Ausbau und Sicherung waren umfangreiche verkehrstechnische Maßnahmen nötig, die Kosten beliefen sich auf rund
545.000 Euro. Am 16. September 2011 war die gesamte Infrastruktur fertiggestellt und einsatzbereit.

Die Realisierung des Pilgerwegnetzes und die Ausgleichsmaßnahmen
Über einzelne Baumaßnahmen hinaus entstand ein sternförmiges Pilgerwegenetz mit einer Gesamtlänge von 75
Kilometern, das die Besucherströme sicher lenkte und langfristig dem Pilgertourismus in der Region dient. Das
gesamte Infrastrukturprojekt wurde vollständig vom Thüringer Landesamt für Landwirtschaft und Ländlichen Raum
finanziert.
Die notwendigen Eingriffe in Natur und Landschaft machten ökologische Ausgleichsmaßnahmen erforderlich. In
mehreren umliegenden Gemeinden wurden 416 neue Bäume gepflanzt und über 2.200 Quadratmeter Grünflächen
in dauerhaftes Grünland umgewandelt. So verband der Papstbesuch organisatorische Höchstleistungen mit
nachhaltigen Verbesserungen für die Region.